Dual-Aktivierung®

Hintergrundwissen zur Dual-Aktivierung®

Pferde sehen monokular. Das bedeutet, dass sie die Augen abwechselnd unabhängig voneinander benutzt werden können ohne funktionell miteinander verschaltet zu sein. Durch diese monokulare Sichtweise der Pferde bedingt, verläuft die visuelle Reizverarbeitung anders als beim Menschen, oder bei Raubtieren mit binokularer Sichtweise. Hinzu kommt, dass der Corpus Callosum (Balken), der für die Kommunikation sowie die Koordination der beiden Hemisphären zuständig ist, bei Pferden eine geringer Übertragungsrate als beim Menschen aufweist. Der sogenannte Calloso bulbäre Index beträgt beim Menschen 3,12 beim Pferd 0,7. Pferde sehen also einen Gegenstand links und sind sich auf der rechten Seite nicht bewusst, dass er da ist, zumindest nur zu 15-20%.
Bei den meisten Pferden ist das rechte Auge das Fluchtauge und das linke Auge das Sicherheitsauge. In einer für das Pferd scheinbar bedrohlichen Situation schaut das Pferd mit dem rechten Auge nach einem Fluchtweg und mit dem linken Auge wo sich die Gefahr befindet.

Beim Reiten hat das monokulare Sehen des Pferdes eine große Wirkung: Es sieht mit dem linken Auge ein anderes Bild als mit dem rechten Auge. In der Praxis kennen wir genügend Beispiele dafür. Beispielsweise der berühmte Holzhaufen, an dem das Pferd links herum schon 5-mal brav vorbei lief, rechts herum aber scheute. Pferde müssen immer alles von beiden Seiten sehen um etwas abzuspeichern.

  • An diesem typischen Verhalten der Pferde setzt die Dual-Aktivierung® an. Dual-Aktivierung® ermöglicht den Pferden ein schnelleres Hin-, und Herschalten zwischen den beiden Gehirnhälften. Die Ausgeglichenheit der beiden Hirnhemisphären, ist die Voraussetzung für optimales Lernen und somit für ein optimal trainiertes Pferd.

Der Gleichklang der Gehirnhälften verbessert…

  • …den Gemütszustand,
  • …die Gesundheit und
  • …die Leistung des Pferdes.

Das Pferd erhält dadurch auch ein besseres Körperbewusstsein und somit ist ein besserer Muskelaufbau

Farben Gelb und Blau in der Dual-Aktivierung®

Pferde sind außerdem sogenannte Dichromaten, weshalb sie die Farben Blau und Gelb am besten sehen. Durch die Arbeit mit den Farben Gelb und Blau in der Dual-Aktivierung® werden dem rechten und dem linken Auge und damit der linken und rechten Gehirnhälfte Reize vermittelt, die die Kommunikation der beiden Gehirnhälften erleichtern.

Dual-Aktivierung® – ein bewährtes Trainingskonzept

Michael Geitner hat klassische Übungen mit den Dual-Gassen sichtbar gemacht, welche sich über Jahrhunderte bewährt haben und somit ein geniales Trainingskonzept geschaffen.
Ständige rechts/links Wechsel, Biegen, Geraderichten und Konzentration, verhelfen dem Pferd die Bewegungskoordination und Balance zu verbessern und seine Hinterhand zu aktivieren. Pferde werden gerade gerichtet, durch gesteigertes Körperbewusstsein, in Stresssituationen gelassener reagieren und verbessern ihren Muskelzuwachs.

Trainingselemente der Dual-Aktivierung

  • Positionsarbeit:
    In einer Pferdeherde wird die Rangordnung nicht dadurch festgelegt, wer der Stärkere ist, sondern wer die besten Führungsqualitäten hat.
    Pferde testen, ob der Mensch in der Lage ist, im Ernstfall die richtige Entscheidung zu treffen. Oft sind es kleinste Bewegungen, Zentimeter, die sie sich erobern. Führung zu übernehmen beginnt in dem Moment, wenn Pferd und Mensch zusammentreffen. Es geht nicht um Dominanz, sondern durch souveräne Führung Vertrauen und Sicherheit zu bieten, um dann einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben. Dies wird mit sinnvoll durchdachten Führübungen und dem Beziehen der richtigen Position am Pferd erreicht. 
  • Arbeit mit der Fahne
    Mit der Fahnenarbeit beginnen die ersten Rechts – Linkswechsel für das Pferd. Durch Bewegen des Pferdekopfes und -halses in Richtung Fahne, die vor dem Kopf Hin und Her geschwungen wird, fängt das Pferd an, bewusst mit den Augen nach der Fahne zu schauen. Es soll gerade, in gleichmäßigem Tempo laufen und dabei nur den Kopf und Hals in Richtung Fahne bewegen.
    Für das Pferd ist die Fahnenarbeit eine hoch koordinative Aufgabe und fördert die Gleichmäßigkeit der Reizaufnahme zwischen den Gehirnhälften. 
  • Longieren
    Das Longieren durch die Dual-Gassen ist ein erstes Vorbereiten und Heranführen an das Reiten oder das Longe-Walking in der Dual-Aktivierung. Durch einfach aufgebaute Parcours wird das Pferd durch die Gassen longiert. Die Größe des Longierzirkels wird dabei auf das Pferd abgestimmt. Es wird durch einen sinnvoll durchdachten Parcours longiert, welcher Stellung und Biegung verlangt und dabei die Koordination und Balance fördert.
    Beim Logieren geht das Pferd nur ein paar Runden im Schritt, dann gehen wir zügig zur Trabarbeit über. Braucht ein Pferd eine längere Aufwärmphase, so sollte das Aufwärmen vor dem Longieren geschehen.
    Zeitsystem beim Longieren in der Dual-Aktivierung

      • Jeweils 2 Minuten auf jeder Hand. Jede Hand wird zweimal gearbeitet. Insgesamt 8 Minuten Arbeitsphase. Pause zwischen den Handwechseln 45 Sekunden.
      • Jeweils 3 Minuten auf jeder Hand. Jede Hand wird zweimal gearbeitet. Insgesamt 12 Minuten Arbeitsphase Pause. zwischen den Handwechseln 45 Sekunden.
      • Jeweils 4 Minuten auf jeder Hand. Jede Hand wird zweimal gearbeitet. Insgesamt 16 Minuten Arbeitsphase Pause. zwischen den Handwechseln 45 Sekunden.

     

  • Longe-Walking:
    Das Pferd wird durch die Dualgassen an der Doppellonge, ähnlich dem Fahren vom Boden aus, gearbeitet.
    Auf das Gebiss wird aus Rücksicht auf das empfindliche Pferdemaul verzichtet. Mit Michael Geitners Doppellonge, die kürzer ist als die Handelsübliche, fällt das Handling leichter.
    Longe-Walking hat den Vorteil gegenüber dem Longieren, dass hier viele Rechts-Linkswechsel vorhanden sind. Zudem wird beim Longe-Walking, als Alternative zum Reiten, der Rücken nicht belastet.
    Koordination, Balance und Konzentration werden im Longe-Walking gefördert, das Vertrauen, welches das Pferd zum Longenführer aufbringen muss, wird vertieft.
  • Die gerittene Dual-Aktivierung®
    Mithilfe der blauen und gelben Trainingshilfen wird, durch durchdachte Parcours, bewährte Übungen aus der klassischen Dressur sichtbar gemacht und erleichtern das Nachreiten.
    Durch ständige Rechts-Linkswechsel in der Dual-Aktivierung, lernt das Pferd umzulasten, gewinnt an Balance und Koordination. Das Pferd nimmt auf dem inneren hinteren Bein mehr Last auf, es wird zum Lastbein und das äußere Hinterbein zum Schubbein. Dadurch richtet sich das Pferd auf gebogener Linie „in sich gerade”, die Vorhand-Hinterhandkoordination wird optimiert, das Pferd reagiert besser auf die Hilfen, da es gelernt hat, sich und den Reiter besser auszubalancieren.
    Durch neu gewonnene Balance und Koordination spart das Pferd Energie und es wird, durch optimale Belastung, einem Gelenkverschleiß vorgebeugt. Von Pferd und Reiter werden in der Dual-Aktivierung ständig Aufmerksamkeit und Konzentration gefordert.

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